Kulinarisches Thüringen

Thüringen - das grüne Herz Deutschlands. So besungen schon seit vielen Jahrzehnten, schlägt das Herz noch heute inmitten Deutschlands, umgeben von hohen Tannen, sanft geschwungenen hügeligen Landschaften, Laub- und Fichtenwäldern, die so manche Stadt und kleine Gemeinde umgeben. Ein anmutiges Land, ein schöner Flecken Deutschlands, mit tüchtigen Menschen, mit Traditionen und Legenden, Erinnerungen und Zukunftschancen.

“Ich wandere ja so gerne”, so sang einst der berühmte Thüringer Herbert Roth und schuf damit die “heimliche” Landeshymne des Landes zwischen Werra und Oberhof, zwischen Nordhausen und Thüringer Rhön. In all den vielen zurückliegenden Jahrzehnten und Jahrhunderten haben die Thüringer selbst ihr Herz verloren, verloren an ihre Heimat, die sie nicht loslassen wollen und können. Und treibt sie es dennoch hinaus aus der alten Heimat, weg von den grünen Wiesen, den Stoppelfeldern, den Wäldern und Auen so nehmen sie die alten Heimat mit in ihren Erinnerungen, den alten Traditionen und den kulinarischen Kostbarkeiten. Und so manch einer hat diese in der neuen Heimat schon zu einem Renner gemacht. Denn was in den Pfannen und Töpfen, in den Grills und in den Kaminen vor sich hinbruzzelt, gart und kocht hat die Thüringer und ihre Küche weit, weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt gemacht. Denn Thüringen ist längst auch ein Land des ausgezeichneten Geschmacks geworden. Mit Gaumenfreuden, Köstlichkeiten und Spezialitäten, die so nur in Thüringen zu haben sind.

Kloss_mit_Schweinebraten.gif, 84kBDenn wer möchte bestreiten, daß die Thüringer Rostbratwürste eine ebensolche Einmaligkeit sind wie die Thüringer Klöße, das echt Thüringer Rostbrätel, das Thüringer Schittchen - das dem Dresdner Stollen in nichts nachsteht - ganz zu schweigen von der original Thüringer Wurst, die mehrfach Auszeichnungen über Auszeichnungen erhielt und längst zu einem Thüringer Exportschlager geworden ist. Tatsache ist:

Original Thüringer Spezialitäten

sind bekannt und begehrt. Dazu gehören übrigens auch die echten Thüringer Biere, gebraut seit über 600 Jahren nach einem Reinheitsgebot, das älter ist als das der Bayern! Thüringens Kräuterliköre sind darüber hinaus ebenso beliebt wie schmackhaft, fördern sogar die Gesundheit und die gute Laune sowie der leckere Kuchen auch - oft nach Bauernart gebacken. Kulinarisches Thüringen eben. Schauen wir mal etwas genauer hin.

Wußten Sie schon, daß die berühmte “Thüringer Rostbratwurst”, nach der sich ganz Deutschland verzehrt, urkundlich erstmals im Jahre 1404 erwähnt wurde? Im Staatsarchiv Rudolstadt fand sich eine diesbezügliche Rechnung des Arnstädter Jungfrauenklosters, wonach für "darme czu bratwurstin" ein Groschen fällig wurde. Wagemutige Thüringer haben diese Ersterwähnung dazu genutzt, der Bratwurst ein Denkmal zu bauen. Und so kann man seit 2006 in dem kleinen Ort Holzhausen ein Bratwurstmuseum besichtigen und sich dabei natürlich eine Bratwurst munden lassen! Und den ersten und einzigen Kreisel in der kleinen Gemeinde ziert - nun, was meinen Sie? - natürlich eine Bratwurst. Ein Novum in Deutschland. Längst ist die Wurst zum Braten und Grillen zur geschützten Marke geworden. Aber nur, wenn mindestens 51 Prozent der Rohstoffe aus Thüringen stammen - nur dann ist die Wurst vom Grill eine echte “Thüringer”!

Doch muß man gestehen, daß viele Thüringer auch gern ihren Senf zur Bratwurst geben, während andere die Wurst pur beschwören! Doch wenn schon Senf, dann den aus Thüringen. Seit über 200 Jahren wird in Erfurt der Thüringer Born Senf hergestellt. Doch auch der steingemahlene Senf aus Hettstedt fand viele Freunde - vor allem auch durch seine Vielfalt. Thüringer Handarbeit wie vor Jahrhunderten. Denn die Hettstedter Mühle hat Müller Morgenroth zu einem Museum ausgebaut. Die Bauern ließen hier seit 1732 ihr Mehl mahlen. Heute mahlt das Mahlwerk nur noch Senfkörner. Jährlich entstehen hier 30 Tonnen Senf - und über 20 Sorten! Auch das ist Thüringen.

Thüringer essen gern und herzhaft. Sie lieben ihre Küche nun mal. Für einen echt Thüringer Kloß mit Rinderrouladen und Rotkraut, es darf auch Gans und Ente sein, lassen Sie meist alles andere “liegen”. Es sei denn, es wird noch ein “Rostbrätl” angeboten, meist mit Kartoffelsalat, oder “Schmöllner Mutzbraten”, “Schöpsbraten” aus Hammelfleisch - dann stellt sich schnell die Qual der Wahl ein. Der König aller Gerichte aber bleibt der Kloß. über den finden sich in Thüringen schnell Sagen und Legenden, Museen - und verschiedene Kochrezepte.

“Ein Genuss von ganz besond'rer Größe sind Thüringer Kartoffelklöße” - das galt und gilt und wird gelten. Keine Geringere als Frau Holle - so die Legende - verriet den Meiningern in Thüringen das legendäre Grundrezept. Doch riet sie auch: “Hüt es” - das Geheimnis der Zubereitung - und so werden die Thüringer Klöße auch “Hütes” oder “Hebes” genannt. Im Thüringer Kloßmuseum in Heichelheim kann man viel über die Geheimnisse eines Original Thüringer Kloßes erfahren, aber auch in Großbreitenbacher Kloßpressenmuseum - und auch im Thüringer Kloß-Hotel, das in Arnstadt steht und unter dem Namen “Goldene Henne” auf eine über 400-jährige Tradition zurückschauen kann. Im Eigentum des Hauses befindet sich der derzeit älteste bekannte handschriftliche Nachweis für den Thüringer Kloß in einem Kochbuch,- das Koch- und Backbuch der Johanne Leonhard von 1842.. älter ist nur eine Erwähnung im Pfarrspiegel der Gemeinde Effelder bei Sonneberg. Diese datiert im Zusammenhang mit einer Regionalbeschreibung aus dem Jahr 1808.

Dass zu all den herzhaften Speisen auch ein gutes Bier gehört - wer möchte das bestreiten? Doch wer weiß schon, daß in Thüringen, im ältesten Ort namens Arnstadt - urkundlich 704 erstmals erwähnt, schon 1404 Bier gebraut wurde? Arnstädter Bier und Bratwurst sind damit seit über 600 Jahren bekannt! Beide urkundlichen Erwähnungen datieren aus dem Jahr 1404. Der Arnstädter Historiker Michael Kirchschlager entdeckte das älteste Reinheitsgebot für Bier in Deutschland, auf der Runneburg in Weißensee. Bereits 1516 erließ Herzog Wilhelm der IV. jenes legendäre Dekret, daß “zu kainem pier merer stückh dan allain gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn”. In einem der vergilbten Bände entdeckte Kirchschlager weiterhin eine Wirtshausverordnung, die “Statuta thaberna”. Der Text aus Weißensee, 1434 formuliert, enthält neben den erlaubten Ingredienzien konkrete Hinweise auf verbotene Hilfssubstanzen. Der erste bayerische Hinweis auf das Reinheitsgebot stammt aus dem Jahr 1453. Da war die Thüringer Verordnung schon fast 20 Jahre in Kraft. Sei es wie es sei: Bier gehört ebenso zu Thüringen wie zu Bayern. Gaststätten mit jahrhundertealter Tradition, urige Altstadtkneipen, mittelalterliche Keller und Biergärten geben davon in vielen Städten Thüringens Kunde.

aromatique.gif, 33kBDas Thüringer Schiefergebirge ist reich an Kräutern, Wald-, Feld- und Wiesenfrüchten. Ein Reichtum, der ein Segen ist für's Land. In Bad Blankenburg, Großbreitenbach und Oberweißbach, um nur einige Traditionsgemeinden zu nennen, sind noch heute Thüringer Kräuterfrauen und Buckelapotheker anzutreffen. Olitätenfahrten, geführte Wanderungen auf historischen Wegen, Kräuterseminare, Kräuterelixiere und Souvenirs trifft man aber nicht nur dort. Die bekannteste Thüringer Brennerei befindet sich aber in Nordhausen. Die alte Stadt gab den Hochprozentigen auch ihren Namen: "Nordhäuser". Seit 1507 wird hier Korn, werden hier Spirituosen gebrannt, deren Maskottchen ein echt Thüringer Huhn ist. Und das gackert überall dort, wo man einen echt guten “Nordhäuser” zu schätzen weiß. Doch es gibt auch kleinere Brennereien mit einem guten Namen. In Neudietendorf - unweit von Erfurt - gibt es noch heute eine ganz besondere Kräuterbrennnerei. Der Neudietendorfer Magenbitter Aromatique wurde schon 1828 gebrannt. Die Legende sagt, daß Anfang des 19. Jahrhunderts in Neudietendorf und Umgebung eine Epidemie ausbrach. Um dieser wirksam zu begegnen, mixte der einheimische Apotheker Daniel Thraen aus Naturstoffen, die von alters her für ihre heilsame Wirkung auf Magen und Darm bekannt waren, ein alkoholhaltiges Heilmittel. Er nannte es: "tinctura aromatica compostita". Und die Wundermedizin - sie half! Aber die Patienten waren auf den Geschmack gekommen! Die Nachfrage riß nicht ab und so wurde aus der “Notmedizin” der Magenbitter “Aromatique”. Bis heute hat er seine heilsame Wirkung behalten!

Vom Schnaps zum Wein ist es meist nur ein kleiner Schritt. Wer weiß schon, daß noch im Mittelalter in Thüringen ein Wein angebaut wurde, der bis an den französischen Hof gelangte! Die großen Weinanbaugebiete liegen heute allerdings nicht mehr in Thüringen. Aber auch diesbezüglich hat Thüringen dennoch sein kleines “Gallien” in Sachen Weinanbau. Das Thüringer Weingut Bad Sulza wurde 1992 als erstes Weingut in Thüringen gegründet und setzt damit die über 800jährige Weinbautradition in Bad Sulza fort. Zunächst als Tochtergesellschaft (GmbH) der Agrargenossenschaft Niedertrebra gebildet, wurde es 1997 an die heutigen Eigentümer verkauft. Nach seiner bis dahin provisorischen Einrichtung in Niedertrebra, zog das Gut 1998 nach Sonnendorf, einem Ortsteil von Bad Sulza, in einen ehemaligen Bauernhof um. Mit 32 ha Weinbaufläche ist es das größte private Weingut an Saale-Unstrut, das zu gut drei Viertel solche beliebte und gebietstypische Rebsorten wie Müller-Thurgau, Riesling, Traminer, Grau-und Weißburgunder anbaut, aber auch die Rotweinsorten Regent, Cabernet Dorsa, Pinotin und Frühburgunder anbietet. Sogar Muskateller, Scheurebe und Sauvignon blanc sind hier - mitten im schönen Thüringen - bekannt.

Wer da aber glaubt, daß dem Thüringer nur nach Herzhaftem der Kopf steht - den muß man enttäuschen. Denn Thüringer mögen es auch süß. Berggold-Schokolade gibt es bereits seit über 130 Jahren. Die Firma spezialisierte sich auf hochwertige Pralinenspezialitäten mit Alkohol- und Nougat-Füllungen sowie Gelee auf Agar-Agar-Basis mit Schokoladenüberzug oder mit Zuckerkristallen. Berggold Schokoladen- und Gelee-Spezialitäten werden mittlerweile in über 30 Länder exportiert. Hätten Sie darauf gewettet?
Und was sagt Ihnen der Name Viba sweets? Das ist ein modernes mittelständisches Unternehmen mit traditionellem Ursprung aus dem Jahr 1893. Viba im seligen Floh-Seligental, nahe Schmalkaldens, ist Spezialist für zart schmelzendes Nougat, softes Marzipan, köstliche Fruchtschnitten, Fitnessriegel, edle Dragees und Nougat-Schoko Pralines in den unterschiedlichsten Formen. Die Viba Nougatstange, seit 1920 in unveränderter Rezeptur und bereits mehrfach ausgezeichnet, ist einer der ältesten Markenartikel der süßen Branche und bis heute heiß begehrt. Das Unternehmen hat inzwischen 43 eigene Süßwarenfachgeschäfte und ist mit 63 Prozent Marktanteil Deutschlands Nummer 1 beim Umsatz von Nougatriegeln.

Die Leckermäulchen aus Thüringen schmachten aber auch gern und oft nach Kuchen aller Art. Thüringer Zwiebelkuchen, Blechkuchen aller Art - mit und ohne Streuseln, Pfannkuchen, Bauernkuchen - all das findet man auf jedem Fest. Manche Dörfer betreiben sogar noch immer einen Gemeinschaftsbackofen, ein solcher steht z.B. auch in Meura, in dem für alle gebacken wird - sogar Brot.

Thüringer Gastlichkeit hängt immer auch mit diesen und vielen weiteren Thüringer Spezialitäten zusammen. Ob Klöße, Bratwurst, Ziegenkäse, Salami oder Mutzbraten, ob Pflaumenmus aus Mühlhausen oder Eichsfelder Stracke aus dem schönen Eichsfeld - all dies ist ein Teil unseres schönen Thüringen. Es ist schon so, wie es in Thüringens heimlicher Nationalhymne heißt: "Diesen Weg auf den Höh'n bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder. Bin ich weit in der Welt habe ich Verlangen, Thüringer Wald nur nach dir." Dieses Verlangen teilen Thüringer sehr gern mit ihren Gästen. Im Gasthaus, im Biergarten, im Nobel-Hotel und ganz privat. Hauptsache in Thüringen. Lassen Sie sich verzaubern - wer einmal hier war kommt immer wieder zurück.